Bericht aus der Lateinfachschaft

Das Schuljahr 2017/18 stand unter dem Stern des neuen Curriculums „Lehrplan Plus“. Die kleinen Labenwölfe und Labenwölfinnen, die mit Latein begannen, starteten ihre altsprachliche Karriere unter neuen Voraussetzungen: Neuer Lehrplan, neues Buch, neue Methoden. Da Latein als erste Fremdsprache in unserer Schule mittlerweile seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich etabliert ist, habe wir uns dieser Neuerung ohne Bedenken gestellt. Für den „G8-Rest“ galt noch Dienst nach altbewährtem Plan und für alle zusammen: Wir lernen nicht nur Latein, wir leben es auch. Und das geht nur, wenn man die Materie erlebbar macht.

Mit Stolz darf man feststellen, dass sich die Bedenken gegenüber der angeblich toten Sprache erfreulicherweise aufgelöst haben und sehr viele Kinder unser Fach durch ihre kindliche Neugier bereichern. Um diese ausreichend zu bedienen und zu füttern, haben wir es uns zum Ziel gemacht, so viel, wie wir dürfen, herauszugehen und das Leben der Römer im Original zu betrachten.

Ein Höhepunkt des Schuljahres waren daher unsere diversen die "Expeditionen":
Ende des vergangenen Schuljahrs machten sich ein paar mutige Lateiner und Nichtlateiner aus der heuer entlassenen Oberstufe auf, um mit Frau Thias und Frau Kugler in das schöne Sorrent zu fliegen und atemberaubende Ausgrabungen wie Pompej sowie die Villa Oplontis in Torre Annunziata zu erkunden. Krönung war die Fahrt nach Capri mit der Besichtigung der berühmten Villa Iovis. Wenn sie diesen Jahresbericht in Händen halten, ist auch der diesjährige Oberstufenkurs von Frau Lazarus aus Sorrent zurückgekehrt.
In den 8. Jahrgängen ist es uns gelungen, einen festen Ausflugstag nach Regensburg einzurichten. Die Schüler besichtigen nicht nur die römischen Reste des alten Militärlagers Castra Regina, sondern dürfen auf dem Nachbau eines römischen Militärschiffes „navis lusoria“ fahren, welches das Ergebnis eines Forschungsprojekts am Lehrstuhl für Alte Geschichte Regensburg ist. Wie anstrengend das Rudern eines solchen Schiffes besonders in sengender Julihitze ist, hatten sich die jungen Legionäre vorher nicht vorgestellt. Im Nachgang wurde so manche Blase an den Händen beklagt.

Neu im Exkursionsprogramm Latein ist die in diesem Jahr erstmals durchgeführte zweieinhalbtägige Fahrt nach Trier mit den 9. Klassen. Trotz eisiger Februarkälte begaben sich die Schüler kurz nach der Ankunft in Augusta Treverorum auf die Spuren von Roman, the Roman, und erkundeten die älteste Stadt Deutschlands. Neben einem Besuch im Rheinischen Landesmuseum und einer Togaführung mit Halt in den Kaiserthermen, der Konstantin Basilika und der Porta Nigra versuchten sich die Klassen im Amphitheater als Filmproduzenten, Schauspieler und Regisseure und drehten Kurzfilme über die Welt der Gladiatoren. Abgerundet wurden die Tage mit dem Singen lateinischer Lieder, einer Vielzahl von Spielen und Geocaching durch das abendliche Trier. Abschluss der Fahrt bildete das Programm "Klasse Klasse", in welchem sich zeigte, dass die neu zusammengesetzten Klassen bereits gut zusammengewachsen sind.

Schon zum zweiten Mal fand sich in ein P-Seminar von Wandererlustigen zusammen, die sich der Erkundung des Limes in Bayern widmen. Gemeinsam wird der Kurs sich in der letzten Schulwoche auf die Spuren der Römer in unserer unmittelbaren Umgebung begeben und per pedes am Limes entlanglaufen. Die Exkursion wurde von den Schülerinnen und Schülern selbst geplant und wird – da sind wir zuversichtlich – ein voller Erfolg sowie ein wertvolles Gemeinschaftserlebnis in der Natur.
Dazu kamen Museumsbesuche wie beispielsweise in den Hirsvogelsaal und ins Germanische Nationalmuseum, themenzentrierte Projekte, kleine Rollenspiele und Bastelstunden, die gerade den Kleinen besonders viel Freude machen. Ab und an darf es auch einmal ein Asterix-Film oder eine Geschichtsdokumentation wie z.B. über die Konflikte zwischen Römern und Germanen sein. Auch das gehört zum lebendigen Lateinunterricht.

Freilich bleibt die spätbeginnende Fremdsprache für Latein eine Hürde, denn zu groß ist die unbestrittene Attraktivität, eine moderne, gesprochene Sprache ins Leben mitzunehmen. Umso mehr freuen wir uns sehr, dass sowohl im laufenden Jahr 2017/18 als auch für das kommende Schuljahr ein Oberstufenkurs zustande kam. Dies bestätigt erfreulicherweise, dass die Beschäftigung mit antikem Kulturgut und Schrifttum als Fundament unserer europäischen Kultur für Heranwachsende noch immer von Relevanz ist.
Auch im vergangenen Jahr ist unsere Fachschaft wieder erweitert worden. Unsere neue Kollegin Lisa Sölch bereichert unsere Fachschaft durch ihre engagierte Arbeit und zeigt, dass Latein auch „was für Junge“ ist.

Iris Kugler, Fachbetreuerin