Religion

„Warum gibt es in Religion überhaupt Noten?“

„Warum gibt es in Religion überhaupt Noten?“ Religionslehrerinnen und Religionslehrer hören diese Frage oft, von Schülerinnen und Schülern, von Eltern, manchmal von Kolleginnen und Kollegen. Und möchten dann am liebsten mit den Augen rollen … Es gibt Noten im Religionsunterricht, weil Evangelische und Katholische Religionslehre reguläre Unterrichtsfächer sind, nicht anders wie Deutsch, Mathematik, Englisch und Latein.

Die Fachlehrpläne des Religionsunterrichts sind darauf ausgerichtet, den Schülerinnen und Schülern Fachkenntnisse und Kompetenzen in den unterschiedlichsten Bereichen von Geschichts-, Religions- und Gesellschaftswissenschaft zu vermitteln:

• Die kirchengeschichtlichen Themenbereiche im Unterricht der 7., 8. oder 9. Jahrgangsstufe behandeln die Lebensumstände der christlichen Urgemeinden, die Biographie Martin Luthers und die historischen Umwälzungen, die die Reformation auslöste, ebenso wie die Geschichte der christlichen Kirchen im Nationalsozialismus.

• Auch außerchristliche Religionen, die Feste und Gebräuche von Judentum und Islam sowie die Fragen des interkulturellen Dialogs sind von Jahr zu Jahr Thema im Religionsunterricht.

• In der Oberstufe schließlich lesen die Schülerinnen und Schüler einige der großen Texte der Philosophiegeschichte und setzen sich mit den theologischen Grundaussagen der christlichen Konfessionen auseinander.

Und trotzdem ist die Frage, die die Religionslehrerin die Augen rollen lässt, ganz richtig gestellt. Warum gibt es im Religionsunterricht überhaupt Noten?

Es ist doch viel wichtiger, in der 5. Klasse, wenn gerade alles neu ist am Gymnasium, sich alles verändert und man selbst unter den vielen Räumen in dem großen neuen Schulhaus nicht immer gleich das richtige Klassenzimmer findet, die Botschaft von Gott als dem guten Hirten aus Psalm 23, der den Menschen auf allen Lebenswegen leitet und begleitet, als Ermutigung aufzunehmen.


Neu am Labenwolf-Gymnasium – aber gut begleitet

Es ist doch viel wichtiger, in der 7. Klasse das Rauschen, mit dem der Heilige Geist nach der Überlieferung der Apostelgeschichte, mit der ganzen Klassen so gut nachzuahmen, dass man Gänsehaut bekommt von diesem Geräusch.

Sie möchten hören, wie dieses Rauschen klingt? Schülerinnen und Schüler der Klassen 7C und 7D zeigen es Ihnen.

Es ist doch viel wichtiger, in der 9. Klasse Filmszenen nach dem Vorbild von Charlie Chaplins „Modern Times“ zu gestalten, in denen man alle Absurditäten des Schulalltags, alle übertriebenen Leistungsanforderungen und alle verfehlten Gewohnheiten im Umgang von Lehrern und Schülern auf’s Korn nehmen kann.


Die Absurditäten des Schulalltags – Filmszenen, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Klassen 9A und 9B

Es ist doch viel wichtiger, die literarische Schönheit und die gedankliche Tiefe eines Textes von Dietrich Bonhoeffer oder Hannah Arendt wahrzunehmen, statt darüber abgefragt zu werden, wie gut man den Text in fünf Thesen untergliedern kann.

Warum gibt es im Religionsunterricht überhaupt Noten? Wir konnten die Frage im ersten Teil dieses Textes ganz einfach beantworten. Im zweiten Teil klang das alles aber plötzlich ganz anders. Dass manche Fragen, die Menschen über sich selbst, über ihre Mitmenschen, die Welt, die vielen Götter und den einen Gott stellen, gar nicht oder nicht eindeutig zu beantworten sind – das ist vielleicht das Wichtigste, das Schülerinnen und Schüler verstehen lernen können: im Religionsunterricht, der ein reguläres Schulfach ist, aber doch ganz anders sein kann.

Nina Irrgang
für die Kolleginnen und Kollegen der Fächer
Evangelische und Katholische Religionslehre

 

Projekte, die nicht im Stundenplan stehen

Übrigens gibt es auch über die Unterrichtsstunden hinaus im Religionsunterricht viel zu entdecken:

• Einmal im Monat organisieren Schülerinnen und Schüler der 7. Jahrgangsstufe ein Frühstück, bei dem man sich gemeinsam für den bevorstehenden Schultag stärken und austauschen kann. Schulseelsorgerisch betreut wird das Angebot von Frau Werner.

• In der 8. Klassen geben die „Tage der Orientierung“ auf Burg Feuerstein in der Fränkischen Schweiz den Schülerinnen und Schülern Zeit, sich in der Pubertät als einer wichtigen Lebensphase selbst besser kennen zu lernen, eigene Wertvollstellungen und Ziele zu reflektieren und von ihrer beruflichen und privaten Zukunft zu träumen.

• In der 9. Jahrgangsstufe bieten die Projekttage „Jüdisches Leben und jüdische Religion“ ein vielfältiges Programm: Es reicht von einer Erkundung der Spuren jüdischen Lebens in der Nürnberger Altstadt über den Besuch der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg bis hin zu einem eindrucksvollen Rundgang über den Jüdischen Friedhof in Fürth.